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Samstag, 16. März 2024

immer langsam voran

 


wo laufen sie denn hin ...

In meine Gedanken und Ideen geht es oft zu wie beim Wagenrennen: im rasanten Tempo vorwärts.  Gestoppt werde ich dann immer wieder durch Hindernisse, meist durch meine angeschlagene körperliche Konstitution und so bleiben die Ideen oft nur Ideen.

Der Versuch, Ordnung herzustellen:
Worpswede ist wieder ein Ziel. Nachdem wir uns nach dem Vogeler Jahr eigentlich gesagt haben "es reicht mit Kunst", zieht das Hoetger Jahr uns wieder ins Künstlerdorf und die Ausstellungen. Den Namen Bernhard Hoetger werden die wenigsten kennen aber die Böttcherstraße in Bremen ist ggf. dem ein oder anderen ein Begriff. Und da ist der Name Bernhard Hoetger Programm. Es gibt natürlich gleich wieder einen Film dazu. Nach meiner Einschätzung  im gleichen Stil wie der Beitrag über Vogeler. Ich hätte mir das hübscher verpackt gewünscht, so wie den Film über Paula Becker-Moderson.  Obwohl ich Paulas Bildern nicht viel abgewinnen kann, mochte ich den Film sehr. Vielleicht weil es ein Stück Heimat gezeigt hat und ein Stück Geschichte dokumentiert hat in dem die Großeltern gelebt haben.



Bremen, Böttcherstraße mitgestaltet von B. Hoetger


Worpswede, B. Hoetger:  Grab von Paula Becker-Moderson 
  
Bremerhaven steht immer noch auf dem Zettel. Bis Ostern will man mit der Reparatur der Autobahn fertig sein. Bin gespannt. Besonders der Ehemensch vermisst den Blick über den Deich und ich den Blick auf den Hafen


Schiffe gucken ...
 
Immerhin zwinge ich mich auf meine Laufrunde und schaue, ob das Wasser von den Äckern und Wiesen verschwindet.  Es ist reger Verkehr von Gülletankern und Düngerstreuern zu vermelden, und bis jetzt ist trotz des tiefen Bodens keiner in seinem Acker steckengeblieben.

Dachdecker und Maurer haben ihre Arbeit erledigt und schon haben wir eine neue Baustelle: Etwas zerfrisst eines unserer Fenster. Für Holzwurm ist die Stelle viel zu groß. Nächste Woche will ein Tischler sich das anschauen.

Der Garten wartet. ....  ich brauche ein paar Blümchen als Osterdeko ...  eigentlich würde die Familie zu Ostern zum Essen kommen. Das kann ich nicht mehr stemmen. Ich lege auch keinen gesteigerten Wert darauf an den Ostertagen irgendwo Essen zu gehen. Später eventuell - vielleicht in Worpswede.

Überhaupt stelle ich fest, dass ich vieles gedanklich  beiseite lege und scherzhaft sage "im nächsten Leben". Eine Konzentration auf die täglich notwendigen Dinge, eine gewisse  Gleichförmigkeit und Struktur in allen Belangen, bewusstes Leben, reflektiertes Erleben, ein friedliches Beisammensein - das reicht. Meist schaffe ich es, meine hochtrabenden Ideen auf dieses Level runter zu reduzieren.  In einem meiner zuletzt gelesenen Bücher ging es um Newsverweigerung und den Vorschlag, statt dessen seinen Kompetenzkreis zu erweitern. Da gehe ich mal auf die Suche ob ich so einen Kreis bei mir finde ... 



langsam kommt man auch ans Ziel
träumen muss man ja noch dürfen können und sei es nur in KI-generierten Bildern.







Dienstag, 13. Februar 2024

my Valentine

 



Ich ließ meinen Engel lange nicht los,

und er verarmte in meinen Armen

und wurde klein, und ich wurde groß: 

und auf einmal war ich Erbarmen, 

und er eine zitternde Bitte bloß.


Da hab ich ihm seine Himmel gegeben,- 

und er ließ mir das Nahe, daraus er entschwand;

er lernte das Schweben, ich lernte das Leben,

und wir haben langsam einander erkannt ...


Rainer Maria Rilke






Samstag, 10. Februar 2024

Das Schlatt ...

...  oder wenn ich unterwegs so vor mich hin sinniere


die Erinnerung ist ein Traum ....

Wir leben hier am Rande der Wildeshauser Geest in einem  landwirtschaftlich geprägten Umfeld.  Das ehemals moorige Gebiet umfasst auch das ein oder andere Schlatt, trockengefallen in den letzten Jahren durch die anhaltenden Dürreperioden. Ein Schlatt, habe ich gerade gelernt, ist eine flache Senke mit Oberflächenwasser in der das Wasser stehenbleibt, weil eine Bodenschicht verhindert, dass das Wasser nach unten versickert.   (Wikipedia mit klick)

Von trockengefallen kann aufgrund der anhaltenden Regenfälle keine Rede mehr sein, mittlerweile steht das Wasser auch um die Bauminsel mit dem kleinen Weiher in der Mitte. Ich würde liebend gerne nachsehen was das Boot macht, das ich vor Jahren dort entdeckte. Als ich es zuletzt sah, lag es im Gebüsch. Doch ein rankommen ist auch ohne den See drumherum schwierig, weil Brombeerranken und Totholz den Zugang versperren.  

In Erinnerung ist mir immer noch die Szene, wo ein Silberreiher auf dem Boot stand und sich im Wasser spiegelte. Was für ein Anblick. Wenn ich später noch mal schaute, war bis auf ein paar Enten und den Müll, der scheinbar zu solchen Örtlichkeiten gehört, alles verwaist. 

Wenn das so weiterregnet, braucht wir bald ein Schlauchboot um zum Supermarkt zu kommen. Das Wasser steht überall in den Flächen nicht nur in den dafür bekannten Senken. Und unser kleines Bächlein ist randvoll - in den 30 Jahren hier auch noch nie so gesehen. 


der Bach ist schon fast ein Flüsschen - etwa 2 km in dieser Richtung und man wäre beim nächsten Supermarkt ;-)


Zukunftsvision:  



zurück zum Schlatt


wie eine Insel ragt das Schlatt aus der überschwemmten Wiese
keine Chance hinzukommen ohne zweckmäßige Ausrüstung


bleibt der Blick vom Weg aus und der Vergleich mit der Situation im Sommer 2019 ...


... Wasser ist da - nur im Boot und nicht drumherum



... die Realität ist in der Tat weniger romantisch als das Bild zu Anfang. Es bleibt mir schleierhaft, warum solche Stellen immer als Müllkippe missverstanden werden. 


so malerisch wie das anmutet, für die Tiere ist das eine schwierige Situation. Und für die Landwirte ohnehin. Gibt es eigentlich auch Anti-Regentänze?  



was könnte passender zu Wasser sein als ein Fisch  KLICK für fc-Beitrag



Donnerstag, 1. Februar 2024

Elfenland

 oder was das Abstauben eines Bücherregals alles bewirken kann

verlinkt mit Karminrot und dem Samstagsplausch 24 -5 

Die Challenge mit den Bücherregalen hat bei mir neue Kräfte entfesselt und neben einer Erstausgabe von Oskar Wildes Märchen mit Illustrationen von Heinrich Vogeler (Insel Verlag - 1920) hat - endlich - Lord Dunsany im Regal einen Platz gefunden. 

Lord Dunsany (1878 - 1957), war ein irischer Landadliger. Er hat einen sehr poetischen Schreibstil und schafft es einen in Welten mitzunehmen von denen wir keinerlei Vorstellung haben.  Vergleicht man diese Schreibbegabung mit Autoren unserer Zeit legt man schnell den Bestsellerautor zur Seite und häkelt lieber einen Topflappen oder gießt die Blümchen. Einige Fantasie-Autoren haben versucht es ihm nachzutun aber keiner ist je an ihn herangekommen. Ausgenommen Mervin Peake vielleicht, der in bildgewaltiger Sprache ein ganz eigenwilliges Familienepos geschrieben hat in dem ein Schloss eine Hauptrolle spielt: Gormenghast.

Nun lese ich also "die Königstochter aus Elfenland" und habe noch einige skurrile Kriminalgeschichten in petto. Ich sehe gerade die Buchrückseite, wo man die überaus gelungene  Übersetzung des englischen Originals :"man hält sich in den Sätzen auf wie in einem Zimmer, das eigentlich die Schatzkammer eines Märchenkönigs ist".  Da kann ich nur zustimmen und ich frage mich, woran mag das liegen, dass sich Sprache heute so beliebig und austauschbar anhört. Und je belangloser die Geschichte desto mehr ergeht man sich in uferlosen  Aneinanderreihen von Adjektiven oder drastischer  Ausdruckweise. Bei den Rezensionen fand ich einen männlichen Leser der Dunsany als furchtbar langweiligen Autor empfand, dem man keinerlei Vergleich mit heutiger Fantasielektüre zugestehen könne.  Da hat er Recht *fg*.

Kostprobe aus einem neuzeitlichen Wälzer von Markus Heitz (u. a. die Zwerge):
...  "Es regnete hunderte und wieder hunderte Tote, die nach ihrem Sturz in der Nebelsee verschwanden. Das leichte Rumpeln der unentwegt auf schlagenden Körper erschien Rouwa endlos." ... die Gegnerin wurde von dem Toten hinabgedrückt, badete in fließendem Blut und dessen stinkenden Gedärmen , aus denen sie sich nicht befreien konnte."  

Das mag was sein für jene, denen jeglicher Feinsinn abhanden gekommen ist.  Schwerter und Magie, beinhaltet sicher auch Gewalt, das bestreitet keiner.  Ich störe mich einfach an dieser Sprache.

Vielleicht ist es Resultat unserer aufgestachelten Zeit,  wo in  der Realwelt Kriege, Massaker, Anschläge, Naturkatstrophen und dergleichen Grauen unentwegt und brühwarm in den Medien  kommuniziert werden, uns pausenlos verfolgen  und angepriesen werden als seien es hochwertige Lebensmittel. Da muss das Buch wohl mithalten, nicht im Sinne einer intelligenten Aufarbeitung sondern als eine Aneinanderreihung von Worten für die man auch eine KI bemühen könnte.

Wenden wir uns noch mal der Poesie zu:

"er erwachte in der vogellosen Morgendämmerung und es war ihm sehr kalt, und er hörte alte Stimmen rufen, doch schwach nur in weiter Ferne, wo sie langsam davonschwebten wie Träume, die zurückkehren nach Traumland."  Genau das möchte ich, wenn ich ein Fantasie-Buch lese: in ein Traumland übertreten mit seinen eigenen Regeln und Gesetzen. Auch hier wird es die dunklen Abgründe  geben aber ein intelligentes Schwingen wird die Welt im Gleichgewicht halten. 




Dienstag, 30. Januar 2024

aus dem Gartenzimmer



ich will nicht langen nach dem lauten Leben
 und keinen fragen nach dem fremden Tage:
Ich fühle, wie ich weiße Blüten trage,
die in der Kühle ihre Kelche heben.

Es drängen Viele aus den Frühlingserden,
drinnen ihre Wurzeln Tiefen trinken,
um nicht mehr könnend in die Knie zu sinken
vor Sommern, die sie niemals segnen werden. 

R. M. Rilke


Ich überlasse mich in meiner Weltuntergangsstimmung den Worten Rilkes. Ich empfinde ...
also bin ich ... noch.  Ich habe eine Tüte Dauerkopfschmerz abzugeben, einen steifen Arm und viel Arbeit. Geht anderen höchstwahrscheinlich ähnlich. Seufz.

Zu Weihnachten bekam ich einige Rilke Gedichtbändchen. Bisher hatte ich über Rilke nur mild gelächelt. Aus der Zeit gefallen... nun durfte ich entdecken, wie schön die deutsche Sprache sein kann ohne in endlose Reime auszuarten, ohne Pathos oder Selbstmitleid.  Die Verse mit einem Ahnen und Verstehen des Daseins gefüllt, in eine bildhafte Wortgewalt gepackt, die in der Seele Klänge hinterlässt.

 

Samstag, 27. Januar 2024

zu früh für Frühling

 


Meine gestrige Walking-Runde im Freien hinterließ einen kleinen Frühlingshoffnungsschimmer:

Die Stare sind da!

Aber das Schneeglöckchen, das da vermeintlich aus dem alten Laub lugte entpuppte sich bei näherem hinsehen als Vogelpups. Ernüchternd. Heute morgen auf dem Parkplatz am Supermarkt hört ich eine Amsel singen. Die ist auch zu früh dran mit Frühlingsgefühlen. Jetzt regnet es erst einmal wieder und meine Ambitionen, schon mal ein wenig aufzuräumen im Garten habe ich wieder zur Seite gepackt. 

Die Challenge mit dem Bücherregal hat mich getriggert und dazu verleitet, ein Buch zu kaufen - gebraucht natürlich - über 100 Jahre alt. Wenn das nicht nachhaltig ist ;-) Leider ist es noch nicht da. Ich bin sehr gespannt auf den Erhaltungszustand. 






Donnerstag, 11. Januar 2024

Wenn die Seele friert

 

wenn die Welt draußen einfriert
 und der Geist mir dem kalten Mond eine blasse Verbindung eingeht,
wenn der Ostwind die Felder erstarren lässt, und Fasane flüchten,
wenn Zweige brechen und Gefühle erstarren,
sitze ich am Küchentisch und wärme meine Hände am Teeglas
Auf dem Grund von rotem Assam sehe ich meine Seele.
 Sie wohnt in einer weißen Katze.





Samstag, 6. Januar 2024

Wenn Rosa nervt

 


Keine Mäuse heute, von Rosa habe ich erst einmal genug. Gestern haben wir den vielgelobten "Barbie-Film" angesehen haben aber nach der Hälfte kapituliert. Für meinen Geschmack von allem zu viel: Zu viel laute Musik, zu viel dickaufgetragene  Klischees, zu viel Rosa. Anerkennendes Lob lediglich für das konsequent umgesetzte Setting. Die Komik erschloss sich mir nicht ganz, ich habe überhaupt keinen Bezug zu Barbie Puppen. Aber es soll ja, so entnehme ich das den Beschreibungen, ein gesellschaftskritischer Film sein.

Zitat:  "Barbie, der Film, hat das Potential für viele ein niedrigschwelliger, einfacher Einstieg in den Feminismus zu sein."  Der Ansatz war da,  für mich schien das eher eine Karikatur des Themas. 

Es geht uns oft so, dass wir mit von Lob und Auszeichnungen gehypten Filmen gar nichts anfangen können.  Das traf auch auf den letztes Jahr Oskar-prämierten Film "Everything Everywhere All at Once" zu. Ist wohl so wie bei Büchern: die in den Bestsellerlisten genannten Titel sind zum größten Teil nicht das, was ich unter anspruchsvoller Lektüre verstehe oder ich bin zu alt, aus einer Fülle verwirrender Eindrücke ein ernsthaftes Thema herauszulesen. 

Der Aktionfilm "Bullet-Train" hat uns dagegen gut unterhalten und mein Favorit letztes Jahr war "Babylon - Rausch der Ekstase". Den habe ich innerhalb von wenigen Tagen 3 x angesehen. Ein Film über den Film und seinen Glanz in vergangenen Zeiten. In allen Bereichen herausragend. Kamera und Licht vom feinsten. Musik- obwohl jazzig - einfach genial. Die Rhythmen treiben einen durch den ganzen Film ohne zu nerven. Einen ganz leisen und wunderbar gespielten Film habe ich noch in Erinnerung "Mrs. Harris und ein Kleid von Dior". Was für's Herz ohne dabei in  Kitsch oder Klischee abzudriften.

Mal sehen, was die Filmindustrie uns demnächst noch alles vor die Augen setzt.

Und um die eigene Realität nicht aus den Augen zu verlieren schaue ich gleich mal nach, ob der See, den ich vom Küchenfenster aus sehe, die Straße schon überspült. 





da geht noch was.. Vorausschauend hat man hier alle Straßen schon erhöht angelegt. Heißen dann auch alle folgerichtig mit "damm" am Ende.




Samstag, 30. Dezember 2023

Gefühlig

Miez und Mensch


ein Seelenbildnis das etwas ausdrückt, auch wenn es generiert ist.

Beitrag in der fc klick

Mittwoch, 17. Mai 2023

Weiomeni no points

Ein Wort, ein abschließendes zum ESC.

Deutschland ist mal wieder letzter.  Die Hardrockband  in den roten Gummianzügen stießen weltweit auf Unverständnis. Gut, über Geschmack lässt sich streiten ...  das leberwurstfarbene Strampeloutfit der schwedischen Siegerin war auch nicht so meins, auch nicht ihre Yogagymnastik unter diesem klaustrophobischen LED-Klotz oder das Liedchen, das genauso klang wie ihr Siegersong von 2012. Als Alleinstellungsmerkmal  meditierte sie im Greenroom und war so weggetreten, dass man sie fürs Interview aufwecken musste wobei ich den Eindruck hatte, dass der im Eingangstrailer von ihr inhalierte "Rauchzauber" immer noch seine Wirkung zeigte.
Die Jurys der Welt liebten sie - die Zuschauer nicht ganz so. Die Welt feierte den Finnen Käärijä mit seinen Cha Cha Cha Tänzern. Mit den Televotingstimmen hätte er sicher gewonnen wenn nicht die Jurys  den schwedischen Beitrag erstaunlich und ungewohnt weit an die Spitze holten. So blieb für den finnischen gute Laune Beitrag  nur der 2. Platz übrig. Im Publikum war dann auch ein gewisser Unmut spürbar, sachte unterdrückt von der Moderatorin. Platz drei für ein gelenkiges Mädchen, die sich ein Einhorn wünschte.  Platz 4 für meinen Liebling aus Italien, ein gut aussehender römischer Legionär mit einer Wahnsinnsstimme und einer ehrlich gesungenen typisch italienischen Ballade. Keine Show, kein Schnick-Schnack. Auch schon in der Kritik: der hatte doch tatsächlich neben der italienischen noch eine Regenbogenflagge dabei.

Wie dem auch sei, die Jungs aus Hamburg hätten mehr verdient als  magere 18 Punkte. Hatten die ein Fähnchen? Gar nicht drauf geachtet.

Nun wird - wie jedes mal nach dem ESC - viel geredet und geschrieben, vor allem viel gelästert und es gibt Vorschläge was man machen sollte und was nicht. Geldhahn zudrehen, nicht mehr teilnehmen, bessere Vorauswahl. Vielleicht sollte man einfach die automatisch gesetzten Song-Beiträge der Geldgeberländer mit an der Auswahl im Halbfinale teilnehmen lassen. Dort entscheidet nämlich keine Jury mehr sondern einzig der Zuschauer. Wenn man da schon aus der Wertung fällt, kann man auf jeden Fall davon ausgehen, dass man den Geschmack des Publikums nicht getroffen hat.  Ansonsten wie schon gesagt Häme, Aufregung um Nichtigkeiten. Da trat doch im mystisch angehauchten moldawischen Beitrag  ein kleinwüchsiger Flötenspieler auf - mit Faunmaske. Schon sahen die guten Leute hier die Würde aller Kleinwüchsigen verletzt. Der "Flötenzwerg"  wie wir ihn liebevoll nannten, wirkte gar nicht  herabgewürdigt als er im Greenroom die Maske abnahm und fröhlich in die Kamera winkte. Warum muss man immer ein Haar in welcher Suppe auch immer suchen. 

In dem Sinne  "Cha, Cha Cha ..."   ich schaue mal, was man für eine Pina Colada alles braucht und während ich nach den Zutaten suche empfehle ich die folgende Punktevergabe moderiert von Hape Kerkeling

Nachtrag: auch wenn man von Pina Colada lustig wird und Cha Cha Cha tanzt ... ich mag das nicht.
 

Samstag, 6. Mai 2023

"Wo laufen sie denn ...."

Ich habe manchmal den Eindruck, dass ich meine Heimatstadt Bremen einfach nicht mehr wieder erkenne. Das hat viele Gründe. Ich greife mir einmal einen heraus:  der Bremer Rennplatz. Da muss ich etwas ausholen weil eine große Verbundenheit da ist, Meine Schul- und  und Jugendzeit verbrachte ich nämlich in direkter Nähe zum Rennplatz. Bevor eine Einzäunung uns daran hinderte,  spielten wir Kinder anfangs noch auf dem dicht  bewachsenen Seitenstreifen nahe dem Geläuf, lagen in sicherer Entfernung im Gebüsch, wenn die Pferde auf der Sandbahn im leichten Kanter vorbeizogen oder bei den Rennen im Pulk auf dem Gras vorbeidonnerten. Später wurde das Gelände eingezäunt und wir konnten nur noch am Zaun entlang tigern. Bei allen Aktivitäten, Schulbesuch, zum Schwimmbad, Gitarrenunterricht, das Gelände lag immer dazwischen. Der Bauboom der Nachkriegszeit hatte den einstmals etwas ab vom Geschehen liegende Rennplatz umrundet.

Hier hatte ich auch meinen ersten Pferdekontakt - ein schwarzes Jungpferd mit einer schmalen weißen Blesse, zu dem ich arglos in den Auslauf gestiefelt war und das mich herzhaft in die ausgestreckte Hand gebissen hat. Dann jagte es auskeilend mit seinem Kumpel davon. Dieses schmerzhafte Erlebnis hat mich nicht von dem Pferdebazillus heilen können. Wir gingen oft zu den Rennen, mein Mann arbeitet während des Studiums dort um die Haushaltskasse ein wenig aufzubessern. Außerdem gab es auf diese Weise Freikarten. Manchmal gab man auch eine kleine Wette ab, auf Platz, das war am sichersten. Da ich immer das Pferd nahm, dass mir optisch am besten gefiel, war aber auch die Platzwette nicht unbedingt eine sichere Bank. Mein absoluter Liebling hieß "Auf Auf" . Er gewann so gut wie nie.


Aufnahmen aus dem Jahr 2009, unser letzter Besuch der Rennbahn


Man sieht, meine Affinität zu Pferden hat mit dem Rennplatz zu tun und  mein späteres Pferd war ein ausgedienter schwarzer Renntraber mit schmaler weißer Blesse.  Der Rennverein hat das Gelände irgendwann an die Stadt Bremen verkauft. Wahrscheinlich aus finanziellen Gründen, der Verein hat das Gelände fortan von der Stadt gepachtet. Das ging nur eine Weile gut. Was macht der Politiker wenn er 30 ha begrüntes Gelände inmitten der Stadt sieht? Richtig, er bekommt Betonklötze vor den Augen. Man kündigte dem Rennverein die Freundschaft und schrieb das Gebiet zur Bebauung aus. Jetzt wurden die Bremer hellhörig. Unterschriften wurden gesammelt, es kam zum Volksentscheid: man wollte keine Bebauung. Nach den Rennen hat man nicht gefragt und der einfallsreiche Politiker fand und findet immer neue Gründe, dem Rennverein der gerne 1 bis 2 mal im Jahr noch ein Rennen durchführen würde, die Suppe zu verhageln. Eine kleine Straße soll demnächst durch das Gelände führen. Das macht die Rennen so gut wie unmöglich.

Diese Willkür macht mich nicht nur traurig sondern auch wütend. Vor kurzem sah ich im TV einen Bericht über den Berliner  Rennverein Hoppegarten.  Über die bewegte Vergangenheit, den Fast-Untergang und die Rettung durch einen Privatmann der das Gelände gekauft hat. Über den ambitionierten Einsatz aller, die den Galopprennsport lieben und die Verbundenheit der Berliner mit ihrem Rennverein, die familiäre Atmosphäre während der Rennveranstaltungen.. Der Bremer ist seinen Traditionen ebenfalls tief verhaftet. Das gilt wohl nicht für Politiker, besonders dann nicht, wenn sie gar keine Bremer sind. 

Das Thema Tierschutz wird auch gern gegen die Rennen ins Feld geführt. Es gibt (oder gab) tatsächlich Hindernisrennen in England die ich mir nicht nochmal ansehen würde, wo eine Grenze dessen überschritten ist, was Tier und Mensch zu zumuten ist. Der herkömmliche Rennsport als solches ist faire sportliche Angelegenheit. Laufen ist das, was Pferde von allein können ohne dass man sie zu Hochleistungen im Übermaß  drillen muss. Dass die Pferde geschätzt und sorgsam behandelt werden versteht sich von selbst. Leider gibt es  immer wieder Menschen, die meinen ihre Auffassung anderen überstülpen zu müssen. Aber sollte nicht für alle Platz und Respekt da sein in unserer Gesellschaft? 

  

Mittwoch, 8. März 2023

ein bisschen Frieden

 

Foto vom Bildschirm abfotografiert

ein bisschen Frieden ...

1982 gewann dieser Titel den Eurovision Song Contest.  Das ist lange her und für ein bisschen Frieden hat es nicht gelangt - selbst in unserer unmittelbaren Nachbarschaft nicht.  Die Ukraine bekam letztes Jahr mehr oder weniger verpflichtend und von vornherein erwartet mit dem Rap/Folk -Titel "Stefania" den Sieg.  Russland war von der Teilnahme ausgeschlossen. 

Früher hieß das Spektakel Grand Prix Eurovision de la Chanson. Da traten Dirigenten vor ein leibhaftiges Orchester, die jeweiligen Interpreten präsentierten ihren Song und ihr Land - oft in Tracht - gern auch in Landessprache. Das Publikum wie im Theater mit ernster Mine und festlich gekleidet. Alles ein wenig angestaubt und für mich als Anhänger ganz anderer Musikrichtungen nicht das richtige Genre. Falls man überhaupt einen Blick auf die Sendung geworfen hat, hat man sich allenfalls darüber lustig gemacht oder es zu Kult erklärt und in weinseliger Laune gar eine fiktive Punktevergabe im Kreise der zuschauenden Familie durchgeführt.

Der ESC hat sich gewandelt. Die Interpreten singen immer noch life aber das Orchester ist gestrichen - die Musik kommt vom Band. Einfallsreiche Bühnenshows von trickreich bis gigantisch untermalen den musikalischen Vortrag. Das Publikum queer, bewegt und bunt, fahnenschwenkend und in Feierlaune.  Jetzt geht es nicht nur um einen europatauglichen Song sondern auch eine einprägsame Präsentation. Alles ist lockerer, einfallsreicher, die Songs internationaler. Klassischen Balladen und Mainstream-Pop, Countryklänge und Hardrock - alles vertreten. Die langatmige Punktevergabe wurde vereinfacht und bleibt trotzdem spannend. Die Songs kann man im Internet schon lange vor der Sendung anhören.

 Tipp: alle Beiträge sind schon online  klick hier

Für manche ist Karneval die 5. Jahreszeit, für mich ist es der ESC. Trickkleider und  Windmaschine auf der Bühne und zuhause Käsespieße mit Weintrauben. Alkoholische Getränke wer mag.  Kult eben. Man kann sich schließlich nicht immer nur dem Ernst des Lebens widmen. 

Beiträge, die mir nach erstem Reinhören in die Auswahl von 2023 in Erinnerung geblieben sind:
  mein Favorit:  Finnland  klick hier 
und  Italien

Samstag, 18. Februar 2023

aus dem Fundus

Man soll keine Anhaftung entwickeln an Gegenstände. Tu ich  nicht. Aber nach 50 Jahren des gemeinsamen Zusammenlebens, sammeln sich nicht nur Erinnerungen sondern auch Dinge. Geerbtes zum Beispiel - das sind Sachen, die halte ich in Ehren. Viele unerwünschte Artikel, die man zu feierlichen Anlässen, Geburtstagen und Weihnachten geschenkt bekommt,  Die man sich selbst nie gekauft hätte, aber vom Geber gutgemeint überreicht wurden. "Extra für dich ausgesucht". Das sind die Dinge, die mich regelrecht belästigen.  Dann sammelt sich bei mir Geschirr, zugegebenermaßen selbst verschuldet, alles für 10 bis 12 Personen. "Kann man immer mal gebrauchen" sagte meine Mutter und haben wir auch gebraucht, als die Familie noch vollzählig war. Nun sind das die Sachen, die ich von links nach rechts räume.  "Das könnt ihr doch bestimmt gebrauchen " hörten wir, wenn uns jemand seine ausgebauten Türen und Heizkörper auf unsere Baustellen brachte ... es sammelten sich Teile, von denen andere meinten,  wir bräuchten sie, und wir, mit wenig Geld aber viel Enthusiasmus gesegnet, glaubten das dann auch.  "Ist doch zu schade zum Wegwerfen". Recht so, nur hat man uns damit zugemüllt. Das sind Dinge, die man allein wegen des Transportproblems nur mühsam wieder los wird.

Wir haben schon viel auf den Wertstoffhof gebracht, was andere nicht entsorgen wollten. Wir haben benutzt, was wir gebrauchen konnten, verschenkt, repariert, weggeworfen.  Langsam wird die Lage übersichtlicher. Unser Wahlspruch lautet "nichts neues, erstmal im Fundus nachsehen". Damit ergibt sich ein Spiel mit dem was da ist und es ergeben sich ungeahnte neue Kombinationen. Zwei burgunderrote Gardinenschals, die schon als Tischdecke gedient haben, als Hintergrund für Fotos, als repräsentative Unterlage für Flohmarktware - nur nicht als Gardinen - haben jetzt eine neue Aufgabe. Sie hängen aus Energiesparmaßnahmen in der Öffnung vom Wohn- zum Esszimmer. Sieht ein wenig nach Theatervorhang aus erfüllt aber den Zweck, das Esszimmer nicht mehr mit heizen zu müssen. 

Ich denke zurück an unsere Zeit in den 70 zigern. An Sperrmüll und wie wir gemeinsam stöbern gingen. Damals schmissen die Leute wirklich alles raus. Wir sind dann mit den Funden auf den Flohmarkt gegangen oder haben manche Sachen bis heute. Schade, dass nach uns alles  den Weg auf die Mülldeponie nehmen wird. Wie schon gesagt: "könnte man doch noch gebrauchen ...".



Beispiele: 
Nähmaschine = geerbt
Vasen = Schnäppchen
Laterne = geschenkt bekommen
Bäckerkorb = aus dem Sperrmüll Mitte der 1970ziger Jahre
Vorhang = aus dem Fundus


Porzellanfigur = auch aus dem Sperrmüll


Dienstag, 31. Januar 2023

antike Geschichten

 


Bildquelle: Wikipedia

Ich bin kein Fan von Bildbesprechungen - das habe ich gehasst in der Schule. Weil mir der Sketch "Eheberatung" von Loriot in den Sinn kam, stolperte ich bei der Suche über dieses Gemälde, dass in selbigen eine Rolle spielt. Ich hatte es bisher für eine Darstellung des Raubs der Sabinerinnen gehalten. Da lag ich falsch. Dieses Doppeldate gehört in die griechische Antike. *

Maler:  Peter Paul Rubens (1577 - 1640),
Titel: Der Raub der Töchter des Leukippos *
Zu finden in der alten Pinakothek, München

*griechische Mythologie :
Es geht um die Zwillinge Kastor und Polydeukes (röm. Castor und Pollux) einer davon unsterblich = weil der Sohn des Zeus, der andere vom richtigen Vater = sterblich.  Die zwei waren unzertrennlich und befreundet mit einem anderen Zwillingsbrüderpaar namens Lynkeus und Idas. Mit denen stritten sie sich um eine erbeutete Rinderherde. Kastor und Polydeukes fühlten sich bei der Aufteilung übervorteilt. Sie rächten sich  indem sie die Verlobten Phoebe und Hilaeira (das sind die besagten Töchter des Leukippos) des Brüderpaares raubten und sich mit ihnen "vermählten". Nun waren die anderen beiden sauer und es kam es zum Kampf.  Überlebt hat ihn nur Polydeukes, (der mit dem freien Oberkörper im Bild). Er war sehr betrübt und bat seinen Vater Zeus, die Unsterblichkeit mit seinem Bruder teilen zu dürfen. So hielten sie sich dann - wieder vereint - abwechselnd im Olymp und im Hades auf. Wir können sie als Sternbild am Winterhimmel sehen - grobe Richtung: 2 helle Sterne hinter dem Orion, oberhalb des kleinen Hundes. Soviel zum mehr oder weniger romantischen Teil.

Ich betrachte die quadratische Szene und  empfinde Respekt vor dem Maler. Wie er trotz des Tumults im Geschehen einen genialen Bildaufbau geschaffen hat. Einer, der sein Handwerk meisterlich versteht. Der Darstellung selber kann ich nichts abgewinnen.

Was ich sehe: 2 Frauen unbekleidet, 2 Männer - einer mit freiem Oberkörper, der andere in Rüstung,  2 erregte Pferde,  2  geflügelte Putten (nein, nicht Puten - die fliegen nicht)  Hintergrundlandschaft. 

Der Mann oben ohne (Polydeukes), der mit seinen roten krausen Haaren ein wenig an Prinz Harry erinnert, ist vom seinem im wahrsten Sinne des Wortes hohen Ross abgestiegen. Sein steigender Schimmel fuchtelt mit eisenbewehrten Hufen am äußeren Bildrand rum. Der Mann in Rüstung (Kastor) sitzt auf einem feurigen Braunen der sich mit gebogenem Hals dem Mittelpunkt der Szene zuwendet.  Die Männer sind bemüht, zwei gutgenährte nackige Blondinen auf die Pferde zu hieven.  Von einer sieht man die Vorderseite von der anderen die Rückansicht. Bei der detailliert ausgearbeiteten Fleischbeschau ist man dankbar, dass der Mann auf dem Braunen das rote Tuch zwischen den Beinen der einen Dame festhält und es entwickelt sich ob der Üppigkeit der weiblichen Gestalten Verständnis für die Pferde, die sich  gegen die zusätzliche Last vehement wehren.  Zwei kleine Puttchen versuchen sich als Pferdebändiger - einer hängt dem Braunen mit leichter Hand im Zügel und schaut dem Betrachter vergnügt ins Gesicht (schielt der?)  Der andere ist nicht so vergnügt und krallt sich verzweifelt an Hals und Mähne des Schimmels.  Die Damen lassen das Geschehen über sich ergehen - Eine blickt kopfüber in die rechte Bildecke, die andere sucht Blickkontakt mit dem Herrn auf dem Braunen.

Für Interpretationen bleibt eigentlich kein Raum, eine Szene aus der griechischen Mythologie - fertig. Dem Hintersinnigen kommt noch einmal Loriots Sketch Eheberatung in den Sinn.  Auf die Frage, was das Bild darstellt antwortet Herr Blöhmann:  "Zwei Herren geben zwei Damen Reitunterricht“.   Das ist durchaus zweideutig zu verstehen, allerdings- wie drück ich das aus - war der Reitunterricht nicht einvernehmlich. Frauenraub war in der Antike sehr beliebt, Beispiele gibt es genug. Frau hatte in der Kultur - auf dem die unsere fußt - nichts zu vermelden.

Man wird festgestellt haben, dass ich für ernsthafte Bildbetrachtungen nicht genügend sittliche Reife besitze. Deshalb habe ich bei  Chat-GPT (Chat-GPT =Generative Pretrained Transformer - neben Bildbesprechungen noch ein Detail, auf das die Menschheit sehnlichst gewartet hat)  nach einer Beschreibung des Gemäldes gefragt und erhielt eine professionelle Version.

Was andere sehen oder nicht sehen:
"Der Raub der Töchter des Leukippos" (The Rape of the Daughters of Leucippus) is a painting by the Flemish Baroque artist Peter Paul Rubens. The painting depicts the mythological scene of the rape of the daughters of Leucippus, Phoebe and Hilaeira, by the twin brothers Castor and Pollux. The scene is shown in a dynamic and dramatic manner, with the figures in motion and the composition arranged in a diagonal spiral. The use of color and light is also striking, with the figures set against a dark background, and the contrasting use of warm and cool tones. The painting is considered a masterpiece of Rubens' mature style, and is known for its emotional intensity and powerful sense of movement. 

Aha ... setzen - geht so.


Und weil irgendwie dazugehörig Loriot's Sketch "Eheberatung"  KLICK 

Nachtrag:
Wenn jemand mal in die Pinakothek kommt möge er mir berichten, ob das Gemälde wirklich so bunt ist.




Dienstag, 17. Januar 2023

Kreuz und quer gerechnet

Die  Kreuzfahrtsaison ist eröffnet. Man reist wieder im Bekanntenkreis. Das war Anlass, uns mal mit CO2 Bilanzen zu beschäftigt um zu sehen, wie wir wegkommen beim ökologischen Fußabdruck. Zwei Rechner wurden dazu einbezogen der vom WWF und der CO2 Rechner vom Umweltbundesamt.

Beide setzen verschieden Prioritäten und man kommt zu unterschiedlichen Ergebnissen. Beim WWF liegen wir unterhalb des angegebenen Durchschnitts.  Beim Umweltbundesamt genau im Durchschnitt. Die abgefragten Parameter waren allerdings unterschiedlich angelegt und gewichtet. Während die Heizkosten für den alten Kasten den wir bewohnen von beiden Rechnern missbilligt wurden, klopfte man uns beim WWF lobend auf die Schulter wegen gemäßigtem Konsumverhalten und nicht durchgeführter Flüge und Reisen. Beim Umweltbundesamt waren die Reisen auch Thema galten aber als kompensiert wenn ein Ausgleichs-Betrag an bestimmte Organisationen gezahlt wurde.

Beispiel Hin- und Rückflug Hamburg/Teneriffa: Der CO2 Ausstoß beträgt 1726 kg pro Person. Für 40 Euro kann man sich freikaufen - mit der Spende an eine Stelle an der an Technologien gearbeitet wird, die zukünftige Emissionen einsparen helfen!?  Wie kann ich in Zukunft etwas einsparen, dass ich jetzt verursacht habe ....  Atmen die Leute dort das in die Atmosphäre geblasene CO2 ein und behalten es auf alle Ewigkeit bei sich oder wie hat man sich diesen Ablasshandel vorzustellen. Das ist mir nicht klar geworden.

Bei der Gelegenheit konnte wir auch feststellen, dass unser Pony (pro menschliche Einheit in unserem 2  Personen  Haushalt) einen CO" Ausstoss von 93o kg pro anno hat . Bei den 4 Katzen kommen wir auf 800 kg aber mit unseren Fahrten mit dem PKW zusammen nur auf 660 kg !!!  Es lohnt also für die Klimabilanz nicht, zum Einkaufen das Pferd einzuspannen.  Einer Studie aus der Schweiz zufolge, ist schlägt ein Pferd sogar mit 3100 kg / Jahr zu Buche. Der Dieseltraktor auf dem Acker ist demzufolge nicht der Klimakiller sondern das Pferdegespann eines bodenschonend arbeitenden Waldarbeiters der mit den Tieren Stämme rückt. Die Futterbeschaffung spielt bei der Tierhaltung eine erhebliche Rolle. Was, wenn ich eigene Weiden habe oder sich die Katzen einen Frischfleischanteil in Form von Mäusen selbst besorgen, sich quasi selbst barfen -  gibt das Bonuspunkte?  Das sind fiktive Zahlenspielereien die die wirklichen Gegebenheiten gar nicht berücksichtigen können.

Trotzdem überlege ich, mich in die Reihe der Gutmenschen einzureihen und zukünftig den  CO2 Ausstoß von Pony und Katzen zu kompensieren, man will ja schließlich wie die Fernreisenden ein reines Umweltbewusstsein haben. Das sind mir die 40 Euro pro Jahr allemal wert und das kann man einfach im Internet bei einem Kompensationsdienstleister kaufen. Mit Spendenbescheinigung und steuerbegünstigt versteht sich. Na also, geht doch. So einfach ist es, die Welt zu retten. 



ab sofort wird nur noch in Tüten abgeatmet


Bodenhaftung verloren: eindeutig zu viel Methan im Pony


Sonntag, 18. Dezember 2022

Monolog im Eis

Seit dem 2.Advent hat auch mich die Erkältungswelle fest im Griff.  Trotz Grippeimpfung. Vielleicht habe ich auch ein wenig Schuld, weil ich immer ohne Jacke mal eben zum Mülleimer hechte oder in den Garten um die Vogelstation auf zu füllen. Soll man eben nicht machen, "die paar Schritte" sagt es großspurig in einem" - bis man die Rechnung bekommt. Egal, heute war ich das erste mal aus dem Haus, ein paar Schritte unterwegs im Gelände. Notfallrunde,  unsere Weide hoch, Richtung des ehemaligen Schlatts bis zur Kurve und zurück. Und dann konnte ich einfach nicht anders, ich wollte sehen, wie es sich entwickelt hat, dieses Schlatt - ehemals ein kleiner Teich,  trockengefallen in den letzten Jahren - und wo das Boot ist. Entdeckt habe ich es das erste Mal vor 9 Jahren, als ich die Gegend nach einer unserer Jungkatzen abgesucht habe, die nicht mehr nach Hause gekommen ist. Wetter genau wie heute, kalt, alles vereist, Winterstimmung pur. Also flutsch unter dem umgebenden Zaun hindurch.


im Jahr 2016 war zwar auch schon bereits alles verwildert aber es gab noch Wasser

 Die das Schlatt umgebende Weide, ist wohl schon länger nicht bewirtschaftet. Hohes Gras, holprig der Grund, verunkrautet. Bei dem Reif, der Boden und Vegetation bedeckte, ist das Laufen hier schon für sich eine Herausforderung. Als ich den kleinen Wall erreichte, verließ mich fast der Mut. Der ganze Grund flächig bedeckt mit Brombeerranken, dazwischen das rutschige vereiste Gras und nicht erkennbar, wohin der nächste Schritt einen führt. An zwei aufgeschossten Bäumchen suchte ich beherzt  Halt und mühte mich die paar Schritte aufwärts um wenigsten einen Blick ins Innere werfen zu können. Die ehemalige Sumpffläche voll mit Schösslingen, der hintere Teil, der erkennbar tiefer liegt auch voll mit Geäst, Gebüsch, trocknem Schilfgras.  Unübersichtlich und ich habe mich nicht getraut nach dem Boot zu schauen, das letzte mal als ich es sah, war das Wasser schon weg und es lag auf dem Trockenen , linker Hand hinter einem umgestürtzten Baum von hier nicht einsehbar dafür müsst ich hinunter auf die ehemalige Wasserfläche.  Die Vernunft siegte und ich trat vorsichtig meinen Rückzug an. "Wenn ich hier falle, findet mich keiner" sagte es in mir. Gleichzeitig wurde mir klar, wie gebrechlich man mit der Zeit geworden ist.



Jahr 2022 - nix mehr mit Wasser, es wächst einfach zu

 
Das Universum spielt uns gerne mal einen Streich. So hat es auch meinen letzten Post in dem ich mich Fieber geschwächt um ein paar flaue Fotos gekümmert habe um sie in Braun orange-Tönen aufzuhübschen, total missverstanden.

 Ich wollte keine farblich dazu passend Katze. Ich wollte überhaupt keine Katze!

 Nun ist sie da - Sansa - nenne ich sie. In die Nachbarschaft gehört sie nicht, gechipt ist sie auch nicht. Wir konnten uns ein Lesegerät ausleihen mit der wir eine Registrierung hätten auslesen können. Aber rollig ist sie. Lustig, findet eine entfernter wohnende Nachbarin.  Unter Kleinanzeigen haben wir sie als Fundkatze eingestellt. Darauf  bekommen wir nun haufenweise kostenlose Belehrungen, was wir alles zu tun und zu lassen haben.  Zum örtlichen Tierheim haben wir Fotos geschickt, wir sollen sie in ein paar Tagen vorbeibringen, wenn sich kein Besitzer findet. Eine Nachbarin würde sie nehmen, wenn es ein Kater wäre, die andere Nachbarin würde sie sofort nehmen hat aber einen dominanten Kater auf dem Hof, der schon eine Katze vor ein Auto gejagt hat.  Das Tierheim hat uns damals mit dem Wurf im Garten was gehustet, als wir um Hilfe baten. Sollten die ihre Meinung geändert haben? Ich bin misstrauisch und werde berichten wie es weiter geht. 



Sansa

Nachtrag:  wir haben das Kätzchen schweren Herzens ins Tierheim gebracht. 


Freitag, 2. Dezember 2022

Kunst und Worpswede - ein Abschluss mit DAD 11

Eigentlich wollten wir Anfang des Jahres nur einen Blick werfen vom Weyer Berg in Richtung Bremen. Unsere anfängliche Unkenntnis der dortigen Gegebenheiten "wo verdammt noch mal ist dieser blöde Berg" , führten uns auf die Spuren von Heinrich Vogeler und das seiner Mitstreiter in der Künstlerkolonie Worpswede. (Die Aussichtsplattform am Berg haben wir später auch gefunden)

Je mehr man dann im Laufe des Jahres von den Künstlern und ihren Werken sah und sich mit der Historie beschäftigte, desto neugieriger wurde man. So kamen wir zu allerlei Museumsbesuchen - in Worpswede, Fischerhude, Vegesack, Oldenburg - sah den Landschaftsmalern des ausgehenden 19. Jahrhunderts  über die Schulter und sah immer wieder  Birken, Moor, Torfkähne, weite Himmel und überhaupt Landschaft. (die Moorbirke ist übrigens Baum des Jahres 2023...)



Bei Heinrich Vogeler wurde alles was er anfasste zu formschönen Objekten: Möbel, Schmuck, Häuser, Bücher, Besteck, Porzellan. Seine in den Bildern immer wieder in Pose gesetzte Frau Martha hat sich  irgendwann diesem Dekoimage entzogen, was vermutlich bei ihm mit dazu beigetragen hat, sich radikalen Veränderungen in Leben und Kunst zu zu wenden.  Er suchte nach neuen Idealen, wandte sich dem Kommunismus zu und wanderte später nach Russland aus. Jetzt gab es keine  verträumten märchenhaften Jugendstilbilder wie man es gewohnt war sondern kernige Arbeiterbilder.  Er verstarb 70 jährig in Russland,  im Exil, in irgendeinem gottverlassenen Kaff. 

Mittlerweile haben wir auch den Vogeler-Film gesehen. Auf mich wirkte die gewählte Erzählform mit Interviews, Filmsequenzen und Erzählsträngen gequält und abgehackt, teils effekthascherisch.  Eine Szene in der Psychiatrie beispielsweise, in der die Kranken so vorgeführt werden, wie klein Fritzchen das sich in einer Irrenanstalt eben vorstellt. Aber auf meine Wenigkeit als erklärter Kunstbanause  - als Kunstform versteht sich der Film - sollte man sich nicht verlassen sondern selbst urteilen.

Die Geschichte der Worpsweder Künstler um Vogeler ist akribisch aufgearbeitet. Früher hat man sich Briefe geschrieben und aus diesen lassen sich Lebensgeschichten rekonstruieren. Man hat viel geschrieben damals und so gibt es viel zu lesen. Über die Modersohns, Martha Vogeler - sogar  Rilke, der für mich anfangs ein No Go schien weil ich fürchtet einem Schwülstiker wie Hesse zu begegnen - nein, ein begeisterungsfähiger Mensch scheint mir,  etwas übertrieben wortreich aber auszuhalten.

Jetzt reicht es mit Kunst. Die Vogler Ausstellungen in Worpswede sind beendet. Ersatzweise gibt es jetzt im Barkenhoff und der gr. Kunstschau die Werke von Nachwuchskünstlern zu bestaunen, die für den Paula Becker Modersohn Preis ausgesucht wurden. Unter anderem eine Künstlerin, die unter dem Titel "Show down" das Innenleben von Matratzen präsentiert. Das ist jetzt kein Witz obwohl ich herzlich darüber gelacht habe und die Überlegung anstellte, ob man den Eintrittspreis von 15 Euro erstattet bekommt, wenn man bei den verwendeten Matratzen den Härtegrad bestimmen kann.  Wie gesagt -  Kunstbanause.

In Bremen in der Kunsthalle finden Sonnenuntergänge statt. Das ist hübscher als aufgeschnittene Matratzen. In unserer Zeitung war dazu ein Sonnenuntergang von CD Friedrich abgebildet. Da steht eine Frau vor der glühenden Landschaft das Gesicht zur Sonne der Rücken zum Betrachter, in einem türkisfarbenen Gewand, so, wie Martha Vogeler es auf vielen Bildern trägt. So schließt sich der Kreis und ich höre auf, die Öffentlichkeit mit Künstlern zu belästigen, die über Bremen und nähere Umgebung hinaus wahrscheinlich keiner kennt.






gleich noch den DigitalenArtDienstag mit reingeschoben:

in meinem Beitrag für den DigitalenArtDienstag 11 bei Jutta K.  geht es rund



die beiden Bilder oben, die Birke und Heinrich Vogeler kunstvoll zusammengedreht








Freitag, 18. November 2022

alles wird gut

Der November ist ein spezieller Monat. Voller Tage, an denen wir der Verstorbenen gedenken und mit Licht die Hoffnung aufrechterhalten.  Mit Lichtern auf den Gräbern an Allerseelen und Allerheiligen, am Totensonntag oder am Volkstrauertag oder gar mit Laternenumzügen für den heiligen St. Martin. Wir gedenken und meditieren am Buß- und Bettag über Dankbarkeit, Vergänglichkeit und Wiedergeburt. Wir gehen in uns wie die Natur es tut und schöpfen Hoffnung aus dem Licht. Hat das nicht etwas versöhnliches?




Huldigung an den November und den Riensberg Friedhof in Bremen.

Für mich kein kalter ungemütlicher Ort, wo man die Gebeine der Verblichenen ablegt und schnell wieder geht sondern ein Park wo die Toten und Lebenden ein freudvolles Ambiente genießen. Ich habe die ehrwürdigen Steine und die Figuren schon als Kind bestaunt und wenn ich jetzt zum Totensonntag zu ihnen zurückkehre entdecke ich jedes mal neue Details. Ich könnte Ewigkeiten dort verbringen - ich lasse diese Doppeldeutigkeit einfach mal so stehen.  



das ist und bleibt eines meiner Lieblingsfotos



der Fuß gehört zu einem Engel, der mahnend seine Hand gen Himmel ausstreckt
und ein klassich schönes Profil hat


Ambiente






nochmal ein barfüßiger Herr


der zum Volkstrauertag passt


ein Fuß, der ausschaut als würde er die Ordnung des Universums fest zusammenhalten 




Gleich noch den Beitrag für den DigitalenArtDienstag 9 bei Jutta K.  -  das Thema passt gerade so schön

Erleuchtung



wie immer mit Textur, diesmal ohne Vögel - nachfolgend das Originalfoto




hier der Grabstein in voller Pracht


die Schöne trägt einen Palmwedel (Nike?) und hält beschützend die Hand über einen Segler. Ein schöner alter Grabstein, der leider an seinem Standort leicht übersehen wird. Er erinnert an Johann Georg Lohmann, ehem. Bremer Kaufmann und Direktor des Norddeutschen Lloyd